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Fliegen – Eine andere Verwandlung von Thorsten Lux ist ein Buch, das sehr genau weiß, was es will

Fliegen – Eine andere Verwandlung von Thorsten Lux ist ein Buch, das sehr genau weiß, was es will: trösten, ermutigen, erklären – und zwar mit der sanften Hartnäckigkeit eines Menschen, der schon viele innere Monologe gewonnen und mindestens ebenso viele verloren hat.

Die Prämisse ist so subtil wie ein Kafka-Zitat mit Leuchtmarker: Eine Verwandlung, nur diesmal bitte mit Hoffnung, Gesprächsbereitschaft und einem pädagogisch wertvollen Ausgang. Aus der Raupe wird ein Schmetterling, aus Selbstzweifeln werden Erkenntnisse, und aus Begegnungen mit Regenwürmern, Wespen, Bibern und Käfern entstehen kleine philosophische Lehrstücke. Man könnte auch sagen: Achtsamkeit, aber mit Flügeln.

Lux schreibt klar, freundlich und mit spürbarer Zuneigung zu seinen Figuren. Jede Begegnung ist eine Parabel, jede Parabel ein gut gemeinter Hinweis darauf, dass man vielleicht selbst ein bisschen weniger streng mit sich sein dürfte. Das funktioniert – meist. Manchmal sogar sehr gut. Der Preis dafür ist allerdings, dass das Buch selten die Versuchung verspürt, wirklich unbequem zu werden. Wo Kafka den Leser verstört, nimmt Lux ihn an die Hand. Wo Abgründe lauern könnten, steht bereits ein Mistkäfer mit Lebensweisheit und warmem Blick bereit.

Der zynische Einwand drängt sich leise auf: Dieses Buch will nicht, dass man sich verirrt. Es will, dass man ankommt. Und zwar möglichst gesund, reflektiert und mit einem sanften Lächeln im Gesicht. Das ist ehrenwert, aber eben auch ein bisschen wie ein philosophischer Spaziergang, bei dem alle Dornen vorher entfernt wurden. Schmerz ist hier Teil des Lernprozesses – aber bitte dosiert, erklärbar und gut abgefedert.

Stilistisch bleibt Fliegen angenehm zugänglich, manchmal fast zu angenehm. Die Sprache ist sauber, die Bilder funktionieren, die Metaphern wissen genau, wann sie aufzutauchen und wann sie wieder zu verschwinden haben. Wer literarische Wildheit sucht, wird sie hier nicht finden. Wer hingegen das Gefühl mag, verstanden zu werden, ohne sich dabei besonders anstrengen zu müssen, ist genau richtig.

Unterm Strich ist Fliegen – Eine andere Verwandlung ein Buch für Menschen, die denken, fühlen, zweifeln – und irgendwann beschlossen haben, dass Selbsthass keine besonders kreative Lebensstrategie ist. Es ist kein literarischer Faustschlag, eher eine ruhige Hand auf der Schulter. Zynisch betrachtet: ein sehr schönes Buch zum Wachsen, das lieber erklärt, wie man fliegt, als einen wirklich fallen zu lassen. Und manchmal ist genau das ja auch schon eine kleine Revolution.

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