Über die Zeit, die uns vorgeschrieben wird, die wir verlieren und die wir einander schenken
Es gibt Tage, an denen man schon am frühen Morgen das Gefühl hat, der Zeit hinterherzulaufen. Und dann gibt es Tage, an denen man feststellen muss, dass man sich völlig umsonst beeilt hat. Besonders bemerkenswert wird es, wenn beides gleichzeitig geschieht.
Es war ein Sonntagmorgen im Oktober. Draußen war es noch dunkel, es regnete, der Wind pfiff, und ich war unterwegs nach Bad Nauheim. Dort wollte ich meine Partnerin besuchen, die sich in einer Rehaklinik aufhielt. Wir hatten vereinbart, dass ich um 7:45 Uhr bei ihr sein würde.
Viel Kaffee hatte ich noch nicht getrunken, und mein Kopf schien sich mit dem Aufwachen noch etwas Zeit lassen zu wollen. Die Uhr im Auto zeigte bereits kurz vor acht, und ich hatte noch ein gutes Stück Weg vor mir. Ich war also spät dran. Jedenfalls glaubte ich das.
Auf der Autobahn war die Sicht miserabel. Regen, Dunkelheit, Sturm, nasses Laub. Und plötzlich tauchte neben mir ein Schild auf: Ober-Mörlen. Moment mal. Ober-Mörlen? Da hätte ich doch längst bei Bad Nauheim abfahren müssen! Tatsächlich. Ich war an meiner Ausfahrt vorbeigefahren, ohne es überhaupt zu bemerken.
Nun kann man auf einer Autobahn bekanntlich nicht einfach umkehren, jedenfalls nicht, ohne dabei mit der Straßenverkehrsordnung und möglicherweise auch mit der eigenen Lebenserwartung in Konflikt zu geraten. Also fuhr ich bei Ober-Mörlen ab und nahm den Weg durch den Wald nach Bad Nauheim. Zum Glück kannte ich die Strecke. Bei diesem Wetter war es beruhigend, wenigstens zu wissen, wo ich mich befand. Mit der Frage, wann ich mich dort befand, sollte es allerdings noch Schwierigkeiten geben.
Als ich schließlich in der Rehaklinik ankam, war es nach meiner Zeitrechnung bereits kurz nach acht. Ich lief zügigen Schrittes zu ihrem Zimmer, öffnete die Tür und erschreckte damit meine Partnerin, die unmittelbar dahinterstand. Sie sah mich erstaunt an und fragte: „Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“
Eine durchaus berechtigte Frage. Ich glaubte es zu wissen. Allerdings stellte sich heraus, dass meine Vorstellung von der Uhrzeit mit der Wirklichkeit nur noch bedingt übereinstimmte.
Meine Partnerin erklärte mir, dass sie zunächst noch etwas zu erledigen habe. Währenddessen versuchte ich langsam zu rekonstruieren, was eigentlich passiert war.
Und dann schwante mir etwas.
War nicht irgendwann Ende Oktober diese Zeitumstellung? Aber wann genau? In der Nacht von Samstag auf Sonntag? Oder erst von Sonntag auf Montag?
Ich zog mein Handy hervor und sah nach.
Samstag auf Sonntag.
Ausgerechnet diese Nacht.
Es war nicht kurz nach acht, sondern gerade erst kurz nach sieben.
Ich hatte mich also nicht verspätet. Im Gegenteil: Ich war mehr als eine halbe Stunde zu früh. Dafür hatte ich mich beeilt, eine Autobahnausfahrt verpasst, einen Umweg durch den Wald genommen und zu guter Letzt auch noch meine Partnerin erschreckt.
Mein Auto hatte die Zeitumstellung verschlafen. Ich übrigens auch.
„Wenn du es eilig hast, mach langsam“, heißt es in einer alten Lebensweisheit, die gelegentlich Buddha zugeschrieben wird, ohne dass sich diese Herkunft überzeugend belegen ließe. Ich hätte besser daran gedacht. Wobei sich die Erkenntnis auf bemerkenswerte Weise ergänzen lässt: Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg. Den zweiten Teil hatte ich immerhin schon einmal erfolgreich absolviert.
Es ist überhaupt erstaunlich, welchen Einfluss etwas auf unser Leben hat, das wir zwar unablässig messen, aber keineswegs immer verstehen.
Eine Stunde ist eine Stunde, könnte man meinen. Sechzig Minuten, dreitausendsechshundert Sekunden. Eine vollkommen eindeutige Angelegenheit. Zumindest solange man sich nicht fragt, weshalb eine Stunde beim Zahnarzt manchmal eine halbe Ewigkeit dauert, während dieselbe Stunde bei einem schönen Gespräch vorüber ist, bevor man überhaupt bemerkt hat, dass sie begonnen hatte.
Die Uhr misst in beiden Fällen dasselbe. Nur unser Erleben hält sich nicht daran.
Albert Einstein hätte an dieser Beobachtung vermutlich seinen Spaß gehabt. Zwar ist die psychologische Wahrnehmung von Zeit nicht dasselbe wie die physikalische Relativitätstheorie, aber die Vorstellung, dass Zeit weniger selbstverständlich ist, als unsere Armbanduhren behaupten, dürfte ihm vertraut gewesen sein.
Überhaupt hätte ich mich gern einmal mit Einstein unterhalten. Nicht nur über Physik. Der Mann hatte Humor, beschäftigte sich mit gesellschaftlichen Fragen und war bereit, über die Widersprüche menschlichen Handelns nachzudenken. Ich hätte ihm von meiner Autobahnausfahrt erzählt. Er hätte mir möglicherweise erklärt, weshalb meine Autouhr eine vollkommen nachvollziehbare Zeit anzeigte und trotzdem die falsche war. Und am Ende hätten wir uns womöglich darüber amüsiert, dass ausgerechnet der Mensch, der die Zeit so präzise messen kann, sich von ihr derart zuverlässig verrückt machen lässt.
Denn die Zeitumstellung verändert nicht die Zeit. Sie verändert unsere Vereinbarung darüber, wie spät es sein soll.
Irgendwann wurde beschlossen, dass wir zweimal im Jahr unsere Uhren umstellen. Genauer gesagt: 1979 beschloss die Bundesregierung unter Helmut Schmidt, die Sommerzeit ab 1980 wieder einzuführen. Unter der entsprechenden Verordnung stehen die Namen von Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundesinnenminister Gerhart Baum. Mich hat man damals nicht gefragt, obwohl ich immerhin schon acht Jahre alt war. Stattdessen wurde mir mitgeteilt, dass künftig zweimal im Jahr an der Uhr gedreht wird. Und so darf ich bis heute im Frühjahr eine Stunde früher aufstehen, damit man sie mir im Herbst großzügig zurückgeben kann. Als hätte ich sie zwischenzeitlich irgendwo hinterlegt.
Im Herbst dürfen dann Millionen Menschen eine Stunde länger schlafen. Zumindest theoretisch. Wer ohnehin wach ist, bekommt lediglich Gelegenheit, dieselbe Stunde noch einmal auf der Uhr zu betrachten. Eine kleine Zeitreise, ganz ohne DeLorean und ohne die dafür erforderlichen 1,21 Gigawatt.
Das eigentlich Bemerkenswerte daran ist, wie selbstverständlich wir solche Vereinbarungen hinnehmen. Wir haben die Zeit nicht erfunden, wohl aber erstaunlich viele Möglichkeiten, sie einzuteilen. Und wenn wir uns erst einmal auf eine Einteilung geeinigt haben, behandeln wir sie gern, als wäre sie ein Naturgesetz.
Da wäre beispielsweise unsere Jahreszählung. Wir befinden uns im Jahr 2026 nach Christus. Das erscheint uns so selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken. Aber was hätte wohl ein Mensch gesagt, der im Jahr drei vor Christus gelebt hat?
„Guten Morgen, wir schreiben das Jahr drei vor Christus. Noch drei Jahre, dann passiert etwas Wichtiges!“
Wohl kaum. Er hätte schließlich nicht wissen können, dass man seine Gegenwart Jahrhunderte später rückwirkend nach einem Ereignis datieren würde, das in seiner Zukunft lag. Die christliche Jahreszählung entstand erst im sechsten Jahrhundert. Und ein Jahr null gibt es darin nicht einmal. Auf das Jahr eins vor Christus folgt unmittelbar das Jahr eins nach Christus.
Offenbar hatte die Menschheit schon Schwierigkeiten mit der Zeitrechnung, bevor sie überhaupt damit angefangen hatte, ihre Uhren zweimal jährlich umzustellen.
Andere Kulturen verwenden bis heute andere Kalender. Im jüdischen Kalender zählt man ein anderes Jahr als im islamischen, und in Thailand zählt man nach buddhistischer Zeitrechnung bereits das Jahr 2569. Die Erde dreht sich deswegen nicht schneller oder langsamer. Die Sonne geht nicht früher auf, nur weil jemand eine andere Jahreszahl in seinen Kalender schreibt.
Wir haben uns lediglich auf unterschiedliche Bezugspunkte geeinigt.
Dasselbe gilt für unsere Monate, Wochen und Feiertage. Die Erde kennt keine Montage. Ein Eichhörnchen interessiert sich nicht dafür, ob gerade der erste oder der dritte Mittwoch im November ist. Und eine Blaubeere wird nicht anfangen zu blühen, nur weil jemand den Frühlingsanfang auf einem Kalenderblatt rot markiert hat.
Die Natur folgt ihren eigenen Rhythmen. Sie benötigt keine Kalenderblätter, um zu wissen, wann es Zeit ist, sich auf den Winter vorzubereiten. Und sie richtet sich auch nicht danach, dass wir im Oktober die Uhren zurückstellen, damit es morgens früher hell und abends entsprechend früher dunkel wird.
Gerade die früher einsetzende Dunkelheit empfinden viele Menschen als unangenehm. Die Tage werden ohnehin kürzer, und nun scheint auch noch der Abend eine Stunde früher zu beginnen. Wir haben die Uhr zurückgestellt, aber die Sonne setzt ihren Weg unbeirrt fort, während wir uns darüber streiten, welche Zahl auf dem Zifferblatt stehen sollte.
Erst im Dezember erreicht die Entwicklung ihren Wendepunkt. Am 21. oder 22. Dezember ist auf der Nordhalbkugel Wintersonnenwende. Die Sonne erreicht ihren niedrigsten Mittagshöchststand des Jahres, der Tag ist am kürzesten, die Nacht am längsten.
Und danach geschieht etwas Bemerkenswertes: Die Tage werden wieder länger.
Zunächst so wenig, dass wir es kaum bemerken. Es bleibt dunkel, es bleibt kalt, und der Winter hat möglicherweise noch nicht einmal seine strengste Phase erreicht. Trotzdem ist die entscheidende Veränderung bereits eingetreten. Das Licht kehrt zurück.
Ich finde diesen Gedanken jedes Jahr aufs Neue tröstlich. Nicht weil ich den Winter grundsätzlich verabscheuen würde, sondern weil die Wintersonnenwende eine Art Versprechen enthält. Es wird wieder Frühling geben. Die Bäume werden wieder austreiben. Die ersten Blumen werden erscheinen, Insekten werden unterwegs sein, und im Garten wird sich erneut zeigen, was den Winter überstanden hat.
Die Blaubeere, die Stachelbeere, die Tayberry, der Knoblauch und all die anderen Pflanzen, die jetzt scheinbar untätig herumstehen, werden wieder Teil eines neuen Gartenjahres sein. Manche kräftiger als zuvor, andere möglicherweise gar nicht mehr. Auch das gehört dazu.
Die Natur verspricht uns keine unveränderte Wiederholung. Sie verspricht nicht einmal, dass alles gut wird. Aber sie zeigt uns, dass Stillstand und Veränderung nicht immer so leicht voneinander zu unterscheiden sind.
Eine Veränderung muss noch nicht sichtbar sein, um bereits begonnen zu haben.
Für viele ist das ein schöner Gedanke. Allerdings haben wir die unangenehme Angewohnheit, aus schönen Gedanken gern allgemeingültige Lebensweisheiten zu machen. Und ehe man sich versieht, erklärt irgendein selbsternannter Lebensberater einem verzweifelten Menschen, dass er nur fest genug an den Frühling glauben müsse, damit sein Leben wieder in Ordnung komme. Wahrscheinlich gegen eine angemessene Seminargebühr.
So einfach ist es nicht.
Denn Dunkelheit ist nicht für jeden bloß eine Frage der Jahreszeit. Für Menschen, die unter Depressionen leiden, können die kurzen Tage und der Mangel an Tageslicht eine zusätzliche Belastung darstellen. Besonders bei saisonal abhängiger Depression spielt das Licht eine wichtige Rolle.
Während die einen den Winter mit Kerzen, warmen Getränken und gemütlichen Abenden verbinden, erleben andere diese Monate als bedrückend. Die Tage scheinen kaum richtig zu beginnen, bevor sie schon wieder enden. Und die Hoffnung auf hellere Zeiten kann sehr weit entfernt erscheinen.
Ausgerechnet in diese Zeit fällt Weihnachten. Ein Fest, das mit der Rückkehr des Lichts, mit Hoffnung und mit Gemeinschaft verbunden wird. Man kommt zusammen, singt Lieder, isst miteinander, beschenkt sich und verbringt Zeit mit den Menschen, die einem wichtig sind.
Für andere ist Weihnachten genau deshalb besonders schwer zu ertragen.
Wer einsam ist, bekommt an diesen Tagen häufig besonders deutlich vor Augen geführt, was ihm fehlt. Überall wird Gemeinsamkeit inszeniert. In der Werbung sitzen glückliche Familien an festlich gedeckten Tischen. Im Fernsehen finden Menschen zueinander. Auf Weihnachtsmärkten stehen Paare Arm in Arm. Und wer allein zu Hause sitzt, darf sich fragen, weshalb das eigene Leben nicht so aussieht wie die Bilder, die ihm unablässig vorgeführt werden.
Dabei ist Alleinsein nicht dasselbe wie Einsamkeit. Manche Menschen verbringen Weihnachten gern allein. Andere sitzen mitten in einer großen Familie und fühlen sich dennoch verlassen.
Weihnachten ist auch deshalb ein schwieriges Fest, weil es nicht nur Erwartungen an unser Verhalten stellt, sondern beinahe schon an unsere Gefühle. Man soll glücklich sein. Man soll sich freuen. Man soll die gemeinsame Zeit genießen.
Und wenn man es nicht kann?
Dann kommt zum eigentlichen Schmerz noch das Gefühl hinzu, mit diesem Schmerz zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Als müsste man sich dafür rechtfertigen, dass die eigene Gefühlslage nicht mit dem offiziellen Festtagsprogramm übereinstimmt.
Der Volksmund behauptet gern, Weihnachten sei die Hauptsaison der Suizide. Statistisch lässt sich das nicht bestätigen. Eine internationale Metaanalyse zeigt vielmehr, dass das Suizidrisiko am Weihnachtstag im Durchschnitt sogar niedriger liegt als an gewöhnlichen Tagen. Am Neujahrstag ist dagegen in vielen Ländern ein erhöhtes Risiko zu beobachten. Die Muster unterscheiden sich allerdings zwischen Ländern und Untersuchungen.
Das bedeutet nicht, dass Weihnachten für einsame oder depressive Menschen harmlos wäre. Es bedeutet lediglich, dass wir zwischen persönlichem Leiden und statistischen Häufigkeiten unterscheiden müssen. Ein Mensch, der verzweifelt ist, wird schließlich nicht dadurch weniger verzweifelt, dass seine Verzweiflung gerade nicht zum statistischen Jahreshöchststand beiträgt.
Statt darüber zu diskutieren, ob Weihnachten für alle Menschen ein schönes Fest sein müsste, sollten wir uns lieber fragen, was wir dazu beitragen können, dass es für manche nicht zu einem besonders schmerzhaften wird.
Denn Hoffnung lässt sich nicht verordnen. Ebenso wenig wie Freude.
Man kann einem Menschen mit Depressionen nicht einfach erklären, dass nach dem 21. Dezember die Tage wieder länger werden, und erwarten, dass damit seine Dunkelheit verschwindet. Die menschliche Psyche funktioniert nicht wie ein Lichtschalter. Und schon gar nicht wie eine Uhr, die man mit einem Knopfdruck um eine Stunde verstellt.
Aber wir können etwas anderes tun.
Wir können Zeit schenken.
Nicht jene Stunde, die uns die Zeitumstellung scheinbar zurückgibt. Sondern wirkliche, gelebte Zeit. Einen Anruf. Ein Gespräch. Einen Besuch. Die Bereitschaft zuzuhören, ohne sofort eine Lösung präsentieren zu müssen.
Das ist eine besonders wertvolle Form des Schenkens, weil sie sich nicht kaufen lässt und weil wir sie nicht beliebig vermehren können.
Wir verfügen alle nur über eine begrenzte Lebenszeit. Und doch verbringen wir erstaunlich viel davon damit, uns zu beeilen, auf die Uhr zu schauen, Termine einzuhalten und uns darüber zu ärgern, dass andere Menschen unsere Zeit beanspruchen.
Wir sprechen davon, Zeit zu sparen, Zeit zu verlieren, Zeit totzuschlagen oder Zeit zu verschwenden. Als wäre sie eine Ware, die man lagern, handeln oder bei Bedarf nachbestellen könnte.
Dabei können wir keine einzige vergangene Minute zurückholen. Auch nicht durch die Zeitumstellung.
Als ich an jenem Sonntagmorgen feststellte, dass es erst kurz nach sieben statt kurz nach acht war, hatte ich keine Stunde meines Lebens hinzugewonnen. Ich hatte lediglich entdeckt, dass mir bis zu unserer Verabredung mehr Zeit blieb, als ich angenommen hatte.
Die Zeit selbst war vollkommen unbeeindruckt weitergelaufen.
Und genau das macht unsere Beziehung zur Zeit so widersprüchlich. Wir können sie messen, aber nicht besitzen. Wir können sie einteilen, aber nicht aufhalten. Wir können sie mit Terminen füllen, bis kein Augenblick mehr übrig bleibt, um sie überhaupt zu erleben.
Vielleicht sollten wir uns deshalb weniger Gedanken darüber machen, wie wir möglichst viel in einen Tag hineinpressen, und mehr darüber, was uns die Stunden tatsächlich bedeuten, die wir darin verbringen.
Manchmal wäre es klüger, nicht schneller zu werden, sondern langsamer. Nicht jeden freien Augenblick als ungenutzte Gelegenheit zu betrachten. Nicht jede Unterbrechung als Zeitverlust.
Und vor allem nicht zu vergessen, dass die Stunde, die wir einem anderen Menschen schenken, für ihn eine ganz andere Bedeutung haben kann als für uns.
So gesehen war dieser Sonntagmorgen doch noch recht ergiebig. Ich hatte eine Autobahnausfahrt verpasst, eine Zeitumstellung verschlafen und mich anschließend gedanklich mit Albert Einstein, der Geschichte unserer Kalender, der Wintersonnenwende und der menschlichen Einsamkeit beschäftigt.
Eine ziemlich weite Reise für jemanden, der eigentlich nur nach Bad Nauheim wollte.
Douglas Adams hätte vermutlich empfohlen, für eine solche Reise vorsichtshalber ein Handtuch mitzunehmen. Wahrscheinlich hätte er recht gehabt.
Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, auch wenn unsere Uhren uns gelegentlich etwas anderes vorgaukeln. Wir können sie nicht anhalten, nicht auf Vorrat legen und nicht beliebig verlängern. Aber wir können entscheiden, was wir mit ihr anfangen.
Und manchmal genügt eine einzige Stunde, um einen Gedanken weiterzukommen.

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